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Equines Herpesvirus 2/5

Allgemeine Information

Gamma Herpesviren sind bekannt als Auslöser von Atemwegserkrankungen bei Jungtieren. Wie die verwandten Alphaherpesviren (EHV-1 und EHV-4) infizieren sich Fohlen oft bereits in den ersten Lebensmonaten meist trotz maternaler Antikörper mit EHV-2 und EHV-5. Wie bei allen Herpesviren kommt es zur Ausbildung einer Latenz, oft mit verschiedenen Stämmen, die auf der Fohlenweide ausgetauscht werden und im Verlauf des Lebens während immunsuppressiven Phasen reaktiviert werden. Bei erwachsenen Pferden kommt es selten zu klinischen Symptomen, jedoch ist dies bei immun-naiven Tieren möglich. Gamma Herpesviren sind auch ein Ko-Faktor in der Entstehung einer chronisch progressiven Lungenfibrose, Equine multinodular pulmonary fibrosis (EMPF). Nicht alle Pferde, die mit y-Herpesviren infiziert sind, entwickeln jedoch diese prognostisch schlechte chronische Lungenerkrankung. Der Nachweis von EHV-2 und EHV-5 aus einem Nasentupfer bei einem erwachsenen Pferd mit klinischer Atemwegssymptomatik stellt den Tierarzt vor die schwierige Entscheidung, ob die y-Herpesviren ursächlich sind für die vorliegende Symptomatik und ob Isolationsmassnahmen empfohlen werden sollten. 

Die Prävalenz von y-Herpesviren in der Schweiz ist ca 60%, in einer Studie von Scheurer et al 2021 wurden in allen untersuchten Ställen positive Tiere gefunden. EHV-5 wurde in 12% nachgewiesen, EHV-2 in 38% und AHV-5 in 9%. Je älter das Pferd war, desto seltener wurde EHV-2 ausgeschieden. Dies war statistisch nicht signifikant für die anderen y-Herpesviren.

Ein positiver Nachweis von y-Herpesviren im Nasentupfer hat fragliche ätiologische Relevanz bei entsprechender Symptomatik, da diese Viren auch von gesunden Pferden häufig ausgeschieden werden.  Ob Isolationsmassnahmen empfohlen werden oder nicht, sollte sich nach den epidemiologischen Gegebenheiten im Stall richten. Ein positiver Nachweis von y-Herpesviren im Nasentupfer alleine sollte nicht ausschlaggebend sein. Die Ausscheidung von y-Herpesviren durch gesunde Pferde sollte nicht als Risikofaktor für EMPF bei Kontaktpferden angesehen werden, da diese Erkrankung multifaktoriell ist und die y-Herpesviren endemisch zirkulieren.

Version: 3ed978c  Stand: 19.01.2022